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Marcard Marktfokus

Das Dilemma der EZB

Angesichts einer sich eintrübenden Konjunkturlage im Euroraum haben sich die Erwartungen der Marktteilnehmer an eine Zinserhöhung der EZB in diesem Jahr deutlich reduziert. Am Kapitalmarkt wird mittlerweile erst im Jahr 2020 mit einer Anhebung des Leitzinssatzes gerechnet. Selbst eine Erhöhung des Einlagensatzes scheint vom Tisch zu sein. Das Dilemma der EZB besteht darin, für die nächste Rezession nicht ausreichend gewappnet zu sein. Denn je länger sie warten muss, um die Leitzinsen anzuheben, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass bis zum Ausbruch der nächsten Rezession keine Zinserhöhungen mehr stattfinden werden. Es wird zudem deutlich, dass im Gegensatz zu früheren Zyklen die europäische und US-amerikanische Geldpolitik nicht mehr mit einem gewissen Zeitversatz synchron verlaufen.

 

Marcard Marktfokus vom 15. Februar 2019

Vergangene Ausgaben von Marcard Marktfokus


  • Rezessionssorgen und der US-Dollar

    Die Mehrzahl der Volkswirte erwartet bis Jahresende eine Abwertung des US-Dollar gegenüber dem Euro. Dahinter steckt die Erwartung, dass eine Abschwächung der US-Wirtschaft im Laufe des Jahres den Zinsvorsprung gegenüber anderen Ländern verringern wird und somit die Nachfrage nach US-Dollar dämpft. Historisch neigte der US-Dollar vor Rezessionen tatsächlich zur Schwäche, während die eigentliche Abschwungphase in der Regel mit einem stärkeren US-Dollar einherging. Entscheidend ist jedoch, wie stark sich die Konjunktur in den USA im Verhältnis zum Rest der Welt eintrübt. Da gegenwärtig der Euroraum dem Rezessionsszenario viel näher als die USA ist, könnte der US-Dollar gegenüber dem Euro bis zum Jahresende sogar leicht aufwerten.

    (8. Februar 2019)

  • Berichtssaison: Der Ausblick der Unternehmen wird negativer

    In den nächsten Wochen öffnen wieder viele Unternehmen ihre Bücher. Aktienanalysten und Volkswirte werden anhand des Zahlenmaterials ihre Schlüsse über den Zustand der globalen Wirtschaftslage ziehen. Dabei zeigen bereits die ersten Veröffentlichungen in den USA Anzeichen einer zunehmenden Abkühlung. Sollte sich in den nächsten Wochen ein negativer Ausblick verfestigen, dürften die teils noch optimistischen Gewinnschätzungen der Analysten nach unten revidiert werden, was zu Verlusten am Aktienmarkt führen könnte. Auch vermeintlich niedrige Bewertungen bieten dann nur einen bedingten Schutz.

    (1. Februar 2019)

  • Die Erholung italienischer Anleihen bleibt fragil

    Italienische Anleihen gehörten zuletzt zu den Gewinnern an den Kapitalmärkten. Aber die Probleme des Landes sind nicht gelöst, sondern haben sich tendenziell weiter verschärft. Die konjunkturelle Abkühlung erschwert den Abbau der Staatsverschuldung. Auch der Bankensektor ist angesichts eines hohen Bestandes an faulen Krediten ein Risikofaktor, wie das Beispiel der unter EZB-Zwangsaufsicht gestellten Banca Carige zeigt. Die härtere Gangart der EZB in Sachen Bereinigung der Bankbilanzen könnte zudem den nächsten politischen Konflikt mit Italien auslösen. Hinzu kommt, dass die Finanzierung der Wahlversprechen den Haushalt belasten dürfte, so dass die Neuverschuldung vermutlich höher als mit der EU vereinbart ausfallen wird. Am Jahresende droht dann eine Neuauflage des Budgetstreits mit Brüssel.

     

    (25. Januar 2019)

  • Die Folgen des Öl-Booms für die US-Wirtschaft

    Die USA sind im vergangenen Jahr zum größten globalen Ölproduzenten aufgestiegen. Innerhalb der letzten zehn Jahre hat sich die Ölproduktion in den USA in etwa verdoppelt und trägt inzwischen knapp die Hälfte zum Gesamtwachstum der US-Industrieproduktion bei. Die Abhängigkeit der Industrieproduktion vom Ölpreis hat daher zugenommen. Anzeichen einer „holländischen Krankheit", die zum Niedergang des Verarbeitenden Gewerbes in Folge eines Rohstoffbooms führt, sind in den USA derzeit nicht zu erkennen. Allerdings droht auf Grund des Ölpreisverfalls Ende letzten Jahres ein Rückgang der Industrieproduktion und ein Anstieg der Zahlungsausfälle bei den Anleihen von Fracking-Unternehmen.

    (18. Januar 2019)

  • Die Rückkehr der Volatilität bietet auch Chancen

    Hohe Unsicherheiten, eine geringe Visibilität und erhöhte Schwankungen bestimmen das aktuelle Bild an den Aktienmärkten. Prognosen über die kurz- bis mittelfristige Entwicklung unterliegen hohen Ereignisrisiken, welche sowohl in die eine als auch in die andere Richtung wirken können. Anleger können sich die hohen Schwankungen an den Aktienmärkten aber zunutze machen, indem sie Strategien anwenden, bei denen Volatilität „verkauft“ wird. Hierzu bieten sich zum Beispiel optionsbasierte Ansätze an. Diese können über Zertifikate auch dann umgesetzt werden, wenn kein direkter Zugang zu den Derivatemärkten besteht.

    (11. Januar 2019)

Marktausblick

Anlagestrategie für den Spätzyklus: Jahresrückblick 2018 und Ausblick 2019

Droht die nächste Schuldenkrise? Marktausblick für das zweite Halbjahr 2018

Ein Aufschwung (fast) ohne Makel: Jahresrückblick 2017 und Ausblick 2018

Konjunktur und Populismus: Marktausblick für das zweite Halbjahr 2017

Nationalismus in Europa und den USA – Abschied von der Globalisierung? Jahresrückblick 2016 und Ausblick 2017

Eine kritische Prüfung der Anlagestrategien nach dem Brexit-Referendum: Marktausblick für das zweite Halbjahr 2016

Vermögensbaustein Anleihen – Risikoloser Zins oder zinsloses Risiko? Jahresrückblick 2015 und Ausblick 2016

Eine kritische Prüfung der Anlagestrategien zur Jahresmitte 2015: Halbjahresausblick 2015

Anlagestrategien im Spannungsfeld von Deflationsgefahren und Niedrigzinsen: Jahresrückblick 2014 und Ausblick 2015

 

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