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Marcard Marktfokus

Grünt es so grün, wenn Europas Green Bonds blühen?

Die Europäische Union hat mit ihrer ersten grünen Anleihe ein erfolgreiches Debüt gefeiert. Doch Anleger am Rentenmarkt sind weiterhin mit einem Trade-Off zwischen Rendite und Nachhaltigkeit konfrontiert. Ein Renditeabschlag gegenüber herkömmlichen Anleihen, der auch als „Greenium“ bezeichnet wird, ist bei grünen Bonds die Regel. Für die Gewissheit einer umweltfreundlichen Anlage wäre solch ein Abschlag durchaus gerechtfertigt. Ob die aufgenommenen Gelder aber tatsächlich umweltgerecht verwendet werden, ist keineswegs sicher. In weniger als drei Monaten stellt die EU ihre Taxonomie und damit das Regelwerk für nachhaltige Investitionen vor, um an diesem Punkt mehr Klarheit zu schaffen. Investoren sollten sich bewusst sein, dass sie bei grünen Staatsanleihen derzeit noch für etwas bezahlen könnten, was sie vielleicht selbst nicht als grün bezeichnen.

Marcard Marktfokus vom 22. Oktober 2021

Vergangene Ausgaben von Marcard Marktfokus


  • Stagflation, damals und heute

    Die Energiepreise steigen und die wirtschaftliche Dynamik nimmt ab. Eine unschöne Mischung, die von manchen in Erinnerung an den Ölpreisschock vor fünfzig Jahren als „Stagflation“ bezeichnet wird. Im Unterschied zu den siebziger Jahren ist der aktuelle reale Anstieg der Energiepreise aber deutlich geringer. Hinzu kommt, dass die Energieintensität der Weltwirtschaft in den vergangenen Jahrzehnten stark gesunken ist, was die Anfälligkeit für Energiepreisschocks verringert hat. Damit die aktuelle Krise nicht zu einer Stagflation wird, bedarf es aber auch einer angemessenen wirtschaftspolitischen Reaktion. Lohn- und Preiskontrollen wie in den siebziger Jahren sind, wie die historischen Erfahrungen zeigen, keine gute Idee.

    (15. Oktober 2021)

  • Der Euro bleibt unter Druck

    In den letzten Wochen ist der Euro im Vergleich zum US-Dollar recht deutlich unter Druck geraten. Die stärker als noch vor einigen Monaten divergierende Geldpolitik dies- und jenseits des Atlantiks hat die Zinsdifferenzen ansteigen lassen und Erinnerungen an den letzten geldpolitischen Zyklus nach 2015 geweckt, als die Fed konsequent die Zinsen angehoben hat, während die EZB das Deflationsgespenst fürchtete. Steigen die Zinsdifferenzen weiter an, dürfte auch der Euro noch ein Stück abwerten. Hinzu kommen Unsicherheiten wie die Immobilienkrise in China und die Präsidentschaftswahl in Frankreich im kommenden Jahr, die für eine höhere Sicherheitsnachfrage sprechen. Die Wachstumsdifferenzen zu Gunsten der USA dürften dagegen abnehmen. Insgesamt erwarten wir nun am Jahresende einen Kurs von 1,12 EUR/USD.

    (8. Oktober 2021)

  • Die europäische Gas-Krise

    Die Preise für Erdgas steigen kräftig. Doch was sind die Gründe? Haben die Russen den Gashahn zugedreht? Oder ist die Klimapolitik schuld, die den CO2-Preis verteuert hat? Bei genauerem Hinsehen zeigt sich eine Vielzahl von Ursachen. Die Auswirkungen der Krise können unangenehm werden: Steigende Gaspreise erhöhen nicht nur die Heizkosten, sondern treiben auch die Strompreise in die Höhe. Sollte der Preisanstieg nicht temporär bleiben, könnte dies Inflation und Wachstum in Europa negativ beeinflussen. Um dies zu verhindern, planen viele europäische Staaten bereits Stützungsmaßnahmen für Verbraucher und Energieunternehmen.

    (1. Oktober 2021)

  • Schuldenkrise made in China

    Die drohende Insolvenz des chinesischen Immobilienentwicklers Evergrande hat die Märkte beunruhigt. Eine chinesische „Lehman-Krise“ droht jedoch nicht, denn das Unternehmen ist keine global vernetze Investmentbank. Dennoch sind die Sorgen ernst zu nehmen. Das Unternehmen ist hoch verschuldet. Ein Übergreifen auf andere Projektentwickler, ein Preiseinbruch bei Immobilien und ein daraus resultierender Abschreibungsbedarf bei den chinesischen Banken könnten eine systemische Krise auslösen. Dazu wird es aber vermutlich nicht kommen. Der Staat dürfte zumindest Teilbereiche von Evergrande übernehmen und geordnet abwickeln. Er ist zudem an den meisten betroffenen Banken beteiligt. Verstärkte geld- und fiskalpolitische Gegenmaßnahmen sollten zudem die negativen Auswirkungen auf das chinesische Wachstum begrenzen.

    (24. September 2021)

  • Ist das Ende des Halbleitermangels in Sicht?

    Der Halbleiter-Engpass macht der Industrie weiterhin zu schaffen und hat die Euphorie um die wirtschaftliche Erholung gebremst. Verbraucher sehen sich mit knappen Waren konfrontiert und die Inflation bleibt Thema. Das Zusammenspiel einer pandemiebedingten starken Nachfrage, logistischer Probleme und unglücklicher Umstände haben den Halbleitermangel gekennzeichnet. Die angestrebten Investitionsausgaben der US-Regierung dürften die kurzfristige Verfügbarkeit nicht wesentlich erhöhen und auch die Halbleiterunternehmen haben kaum Möglichkeiten zur Verfügung, um schnell Abhilfe zu leisten. Ein Engpass von Halbleiterprodukten dürfte uns noch bis in das kommende Jahr begleiten.

    (17. September 2021)

Marktausblick

Klimawandel und Klimapolitik: Marktausblick für das zweite Halbjahr 2021

Die neue Anatomie der Aktienmärkte: Jahresrückblick 2020 und Ausblick 2021

Nach Corona: Wie sich Wirtschaft, Politik und Marktstrukturen verändert haben Marktausblick für das zweite Halbjahr 2020

Die Zukunft der Globalisierung: Jahresrückblick 2019 und Ausblick 2020

China: Der unheimliche Gigant Marktausblick für das zweite Halbjahr 2019

Anlagestrategie für den Spätzyklus: Jahresrückblick 2018 und Ausblick 2019

Droht die nächste Schuldenkrise? Marktausblick für das zweite Halbjahr 2018

Ein Aufschwung (fast) ohne Makel: Jahresrückblick 2017 und Ausblick 2018

Konjunktur und Populismus: Marktausblick für das zweite Halbjahr 2017

Nationalismus in Europa und den USA – Abschied von der Globalisierung? Jahresrückblick 2016 und Ausblick 2017

Eine kritische Prüfung der Anlagestrategien nach dem Brexit-Referendum: Marktausblick für das zweite Halbjahr 2016

Vermögensbaustein Anleihen – Risikoloser Zins oder zinsloses Risiko? Jahresrückblick 2015 und Ausblick 2016

Eine kritische Prüfung der Anlagestrategien zur Jahresmitte 2015: Halbjahresausblick 2015

Anlagestrategien im Spannungsfeld von Deflationsgefahren und Niedrigzinsen: Jahresrückblick 2014 und Ausblick 2015

 

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