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Marcard Marktfokus

Italienischer Haushaltsentwurf: Die Nagelprobe

Die italienische Regierung hat diese Woche bestätigt, dass sie an einer Neuverschuldung im kommenden Jahr in Höhe von 2,4 Prozent des BIP festhält. Bleibt Rom dieser Linie treu, könnte Anfang 2019 ein Defizitverfahren gegen Italien eingeleitet werden. Da Defizitverfahren in der EU eine Art „Kavaliersdelikt" sind, wären die Auswirkungen für Italien wohl überschaubar. Falls sich die Risikoaufschläge für italienische Staatsanleihen jedoch weiter ausweiten sollten, könnte es zu einer Situation kommen, in der Rom auf die direkte Unterstützung durch die EZB angewiesen ist. Dann käme es zur eigentlichen Nagelprobe, und zwar nicht nur für Italien, sondern auch für die EZB.

Marcard Marktfokus vom 16. November 2018

Vergangene Ausgaben von Marcard Marktfokus


  • Rohöl: Deutliche Preisrückgänge trotz US-Sanktionen gegen den Iran

    Am 4. November treten US-Sanktionen gegen den Iran in Kraft, die unter anderem den Export von Rohöl verhindern sollen. Da es sich bei dem Land um das drittgrößte OPEC-Mitglied handelt, wirken sich die Maßnahmen durch eine mögliche Verknappung der weltweiten Angebotsmenge grundsätzlich preissteigernd auf den Rohölpreis aus. Dennoch war der Oktober der schwächste Monat für den Ölpreis seit knapp zwei Jahren. Für den überraschenden Preisrückgang lassen sich Erklärungen finden. Ein nachhaltiger negativer Trend beim Rohölpreis lässt sich aus den Marktbewegungen der letzten Wochen jedoch nicht erkennen.

    (2. November 2018)

  • Die Herkulesaufgabe der Europäischen Zentralbank

    Die gestrige Sitzung des EZB-Rats verlief ohne größere Überraschungen. Die EZB plant weiterhin, die Leitzinsen frühestens im Herbst 2019 anzuheben und das Anleihenankaufprogramm zum Jahresende auslaufen zu lassen. Weder der sich verschlechternde wirtschaftliche Ausblick des Euroraums, noch die Auseinandersetzungen um Italiens Haushaltsentwurf oder die aktuellen Turbulenzen an den Aktienmärkten wurden zum Anlass genommen, den geldpolitischen Kurs zu ändern. Das sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die EZB vor einer Herkulesaufgabe steht: Die Geldpolitik zu normalisieren, ohne dabei die Konjunktur und den Zusammenhalt der Währungsunion zu gefährden.

    (26. Oktober 2018)

  • Fintechs gewinnen in Deutschland an Bedeutung

    Gemessen an der Zahl der Unternehmensgründungen pro Kopf hat Hamburg letztes Jahr Berlin vom Spitzenplatz verdrängt. Auch die sogenannten Fintechs, also Start-Up-Unternehmen, die digitale Finanzinnovationen entwickeln, zieht es regelmäßig in die Hansestadt, wo diese Woche bereits die dritte „Fintech Week“ stattgefunden hat. Die Veranstaltung bot mehr als 1.500 Akteuren aus der Fintech- und Bankenbranche eine Plattform zum Austausch über zukunftsweisende Trends und Konzepte. Während Fintechs früher vor allem mit disruptiven Innovationen und fehlender Regulierungen assoziiert wurden, entwickeln sie sich zunehmend zu selbstverständlichen Partnern der etablierten Banken.

    (19. Oktober 2018)

  • Die Angst vor steigenden Zinsen

    In den letzten Wochen kam es nach ruhigen Sommermonaten an den Rentenmärkten zu Anstiegen der Renditen sicherer Anleihen, insbesondere bei US-Staatsanleihen. Neben den direkten Negativeffekten auf die Kurse dieser Anleihen zeigten sich an den Märkten aber auch die Nebenwirkungen in anderen Assetklassen. Dabei kann ein starker Zinsanstieg sogar zu verminderten Diversifikationseigenschaften im Portfolio führen. Für Investoren gibt es nur wenige Möglichkeiten, sich in einem solchen Szenario gegen die Negativeffekte zu schützen. Die Erzielung positiver Renditen auf Portfolioebene wird durch stark steigende Zinsen deutlich erschwert. 

    (12. Oktober 2018)

  • Brasilien: Die Präsidentschaftswahlen werden zur Zerreißprobe

    Am Wochenende findet in Brasilien die erste Runde der Präsidentschaftswahlen statt. Das Land hat sich im Wahlkampf tief gespalten gezeigt, was insbesondere am umstrittenen rechtspopulistischen Kandidaten Jair Bolsonaro liegt. Gleichzeitig erholt sich die Wirtschaft nur sehr langsam von der tiefen Krise der Jahre 2015 und 2016. Sorgen bereitet insbesondere, dass trotz der wirtschaftlichen Belebung die Staatsverschuldung weiter steigt. Da keiner der aussichtsreichsten Kandidaten diesem Problem besondere Beachtung zu schenken scheint, könnte das Land langsam aber sicher auf eine Fiskalkrise zusteuern. Brasilianische Aktien, die im laufenden Jahr eine Achtbahnfahrt hinter sich haben, werden in diesem Umfeld weiter volatil bleiben.

    (5. Oktober 2018)

Marktausblick

Droht die nächste Schuldenkrise? Marktausblick für das zweite Halbjahr 2018

Ein Aufschwung (fast) ohne Makel: Jahresrückblick 2017 und Ausblick 2018

Konjunktur und Populismus: Marktausblick für das zweite Halbjahr 2017

Nationalismus in Europa und den USA – Abschied von der Globalisierung? Jahresrückblick 2016 und Ausblick 2017

Eine kritische Prüfung der Anlagestrategien nach dem Brexit-Referendum: Marktausblick für das zweite Halbjahr 2016

Vermögensbaustein Anleihen – Risikoloser Zins oder zinsloses Risiko? Jahresrückblick 2015 und Ausblick 2016

Eine kritische Prüfung der Anlagestrategien zur Jahresmitte 2015: Halbjahresausblick 2015

Anlagestrategien im Spannungsfeld von Deflationsgefahren und Niedrigzinsen: Jahresrückblick 2014 und Ausblick 2015

 

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