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Konjunktur

Marktausblick für das zweite Halbjahr 2026

Die Weltwirtschaft trotzt der Unruhe

Die Voraussetzungen für eine Belebung des globalen Wachstums im Jahr 2026 waren gut. Das Weltwirtschafts­wachstum im vierten Quartal 2025 betrug laut OECD so­lide 3,1 Prozent annualisiert. Hinzu kam, dass der Oberste Gerichtshof der USA einen Großteil der Zölle unter Trump für nichtig erklärte, wodurch sich die Zollbelastungen ef­fektiv reduzierten. Dies führte zwar zu einer Entlastung, sorgte aber auch für erneute Planungsunsicherheit bei Unternehmen und US-Handelspartnern. Ab März änderte sich die Situation allerdings schlagartig, als die Blo­ckade der Straße von Hormus zu einem kräftigen Anstieg der Energiepreise führte. Somit hat sich das gesamtwirt­schaftliche Umfeld seit unserem Jahresausblick deutlich verschlechtert.

Da der Krieg noch immer nicht beendet ist, ist die Dauer des Konflikts beziehungsweise die Dauer der Blockade der Straße von Hormus der größte Unsicherheitsfaktor für das Wirtschaftswachstum. In den meisten Prognosen wird davon ausgegangen, dass sich die Belastungen durch den Konflikt in der zweiten Jahreshälfte sukzessive ent­spannen. Je länger der Stillstand bei den Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran jedoch anhält, desto grö­ßer ist auch die Belastung für die Weltwirtschaft. Unsere Erwartungen basieren auf der Annahme, dass sich die Situation in der zweiten Jahreshälfte entspannt, die Aus­wirkungen aber darüber hinaus andauern werden.

 Getragen wird die Weltwirtschaft von den drei großen Volkswirtschaften USA, China und Indien. Während die USA durch den „One Big Beautiful Bill Act” (OBBBA) Rü­ckenwind bekommen und das Wachstum Chinas durch den starken Export getragen wird, leidet Indien kurzfristig am stärksten unter den Auswirkungen des Irankriegs. Im Fall von Indien bleibt unsere Wachstumsprognose unver­ändert, da die indische Wirtschaft das Jahr 2025 dyna­misch beendet hat und diese Dynamik Anfang 2026 bei­behalten konnte. Der gute Start ins Jahr 2026 stützt somit das Gesamtjahreswachstum. Das Wachstum dieser drei Volkswirtschaften sorgt dafür, dass wir für die Weltwirt­schaft trotz der widrigen Umstände weiterhin ein Wachs­tum von 2,6 Prozent erwarten, obwohl wir gleichzeitig mit Wachstumseinbußen in Europa und Japan rechnen.

In den USA bleibt die Wirtschaft trotz Gegenwind robust

In unserem Jahresausblick gingen wir davon aus, dass Donald Trump wegen der im November stattfindenden Zwischenwahlen zum US-Kongress wirtschaftsfreundlich agieren würde. Mit dem von ihm befohlenen Angriff auf den Iran ist dieses Szenario jedoch überholt. Die gestie­genen Weltmarktpreise für Energierohstoffe haben auch in den USA die Inflation erhöht und die ohnehin schwache Stimmung der Konsumenten zusätzlich verschlechtert. Auch bei den Unternehmen hat sich die Verunsicherung erneut erhöht, obwohl die Einkaufsmanagerindizes über­raschend robust geblieben sind. Zum Gegenwind hat auch ein schwaches BIP-Wachstum im vierten Quartal 2025 beigetragen, das insbesondere durch den Government Shutdown von Oktober bis Mitte November bedingt war. Zusätzliche Shutdowns in den ersten Monaten des Jahres 2026 sorgten für einen chaotischen Eindruck, der durch das Urteil des Obersten Gerichtshofs der Vereinigten Staa­ten zu den im Rahmen des International Emergency Eco­nomic Powers Act (IEEPA) erlassenen US-Zöllen verstärkt wurde. Da diese Zölle für nichtig erklärt wurden, musste die US-Regierung damit beginnen, die Zolleinnahmen zu­rückzuzahlen. Die erneute Verunsicherung über die Zoll­höhe erschwert US-Handelspartnern und Unternehmen die Planung.

 Gleichzeitig hat sich der Arbeitsmarkt zuletzt jedoch sta­bilisiert, was sich in einem soliden Stellenaufbau und einer weiterhin niedrigen Arbeitslosenquote zeigt. In­vestitionen in den Bereichen Künstliche Intelligenz und Datenzentren liefern nach wie vor einen starken Impuls für das Wirtschaftswachstum. Obwohl sich die Stimmung der Konsumenten aufgrund der erhöhten Inflation erneut verschlechtert hat, dürften die Steuersenkungen im Zuge von OBBBA den Konsum unterstützen und den negativen Effekt abfedern. Letztlich werden sich diese positiven Ef­fekte und die negativen Belastungen wahrscheinlich die Waage halten, sodass wir unsere Wachstumsprognose für die USA mit 2,0 Prozent unverändert belassen.

Einkaufsmanagerindizes

Der Anstieg der Energiepreise belastet den Euroraum

Für die Wirtschaft im Euroraum hatte das Jahr 2026 eigentlich vielversprechend begonnen. Zwar fiel das BIP-Wachstum im ersten Quartal um 0,2 Prozent im Ver­gleich zum Vorquartal, was jedoch an den sehr volatilen Wachstumszahlen in Ir­land lag. Die Entwicklung in den größten Volkswirtschaften machte hingegen Mut. In Deutschland, dem Sorgenkind, stieg das BIP um 0,3 Prozent, was die Hoffnung nährte, dass Deutschland endlich wieder eine tragende Säule für das Wachstum im Euroraum werden könnte. Da die Wachs­tumsraten in Italien und Spanien robust blieben, konnte das negative Wachstum in Frankreich verschmerzt werden. Doch mitt­lerweile hat der Irankrieg das Bild deutlich verändert.

Insbesondere in Deutschland belastet der Anstieg der Energiepreise die Stimmung von Konsumenten und Unternehmen, nachdem zu Beginn des Jahres leise Hoffnung aufgekommen war. Getragen von den höheren Staatsausga­ben konnte man bei den Einkaufsmana­gerindizes einen positiven Trend erken­nen. Während der Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor robust im Wachstumsbereich blieb, stieg der Index für das Verarbeitende Gewerbe im Februar erstmals seit 2022 in den Wachstumsbe­reich. Zuletzt hat jedoch ein Abwärtstrend eingesetzt, der sich auch im ifo-Geschäfts­klimaindex abzeichnet.

Auch in den anderen Ländern des Euro­raums hat sich die Stimmung insbeson­dere bei den Konsumenten aufgrund er­höhter Inflationserwartungen eingetrübt. Diese Verunsicherung hat sich vor allem auf die Stimmung im Dienstleistungssek­tor ausgewirkt und sorgt dafür, dass die Geschäftserwartungen für den Rest des Jahres geringer ausfallen. Der Ausblick des Verarbeitenden Gewerbes hat sich zwar ebenfalls abgeschwächt, jedoch nicht so stark wie befürchtet. Obwohl sich die Frühindikatoren stärker eingetrübt haben und das Konsumentenvertrauen auf nied­rigem Niveau ist, gibt es weiterhin positive Lohneffekte, die den Konsum trotzdem unterstützen. Unter anderem aus diesem Grund ist nicht von einem dramatische­ren Rückgang des Wachstums im Euro­raum auszugehen.

 Wir verringern unsere Wachstumsprognose für den Euroraum von einem Prozent leicht auf 0,9 Prozent. In Deutschland liefern die Infrastruktur- und Verteidigungsausgaben nach wie vor einen starken Impuls, während staatsferne Sektoren Gegenwind spüren. Dadurch gibt es zwar eine deutliche Beschleunigung des Wachstums im Vergleich zum Vorjahr, allerdings fällt diese weniger stark aus als noch im Jahresausblick erwartet. Wir revi­dieren daher unsere Wachstumsprognose für Deutschland von 0,9 auf 0,6 Prozent.

Die japanische Regierung versucht, die Energiepreise zu stabilisieren

Auch für die japanische Wirtschaft hatte das Jahr 2026 vielversprechend begonnen. Nachdem Sanae Takaichi im Oktober 2025 zur Premierministerin ernannt worden war, konnte sie ihre Beliebtheit deutlich steigern. Sie setzte eine Neuwahl des Unterhauses für Februar 2026 an, die sie überraschend mit einer Zweidrittelmehrheit der Sitze gewann. Durch dieses Rekord-Wahlergebnis ihrer Li­beral-Demokratischen Partei erhielt sie ein deutliches Mandat. Die Euphorie um ihre Person erreichte zunächst den Aktienmarkt und schließlich die Wirtschaft insgesamt.

Das Wachstum im ersten Quartal wurde durch starke Konsum- und Investitionsaus­gaben getragen. Doch weil Japan einer der größten Abnehmer von Energierohstoffen aus dem Nahen Osten ist, lastete die Blo­ckade der Straße von Hormus deutlich auf der Stimmung im Land. Obwohl die Regie­rung schnell Maßnahmen wie Subventionen auf Energiepreise, die Senkung der Benzin­steuer und die Freigabe von strategischen Ölreserven ergriff, kam es auch in Japan zu einem Einbruch des Verbrauchervertrauens und der Einkaufsmanagerindizes. Die Regie­rungsmaßnahmen und staatlichen Investi­tionen sollten jedoch dafür sorgen, dass sich das Wirtschaftswachstum in Japan trotz der Widrigkeiten nur leicht abschwächt. Wir pas­sen unsere Wachstumsprognose für Japan von 0,7 auf 0,6 Prozent an.

Die chinesischen Exporte wachsen weiterhin

Wie bereits im Jahresausblick erwähnt, ist es China gelungen, seine Exportwirtschaft breiter aufzustellen und ausbleibende Ex­porte in die USA in andere Länder umzu­leiten. Dieser Trend setzte sich auch in den ersten Monaten des Jahres 2026 fort. Einer­seits sorgte das Urteil des US Supreme Courts dafür, dass der effektive Zollsatz beim Export in die USA sank. Andererseits liefen die Exporte in neue Absatzmärkte weiterhin gut. Aufgrund des Irankriegs gibt es auch in China Gegenwind, doch fällt dieser schwächer aus als in anderen Volkswirtschaften.

Zwar bezieht China einen Großteil seiner Energieimporte aus dem Nahen Osten, doch konnte man zu­nächst weiterhin Öl aus dem Iran importie­ren, zu dem man gute Beziehungen pflegt. Seitdem hat China seine Ölimporte redu­ziert, mutmaßlich von eigenen Reserven gezehrt und gleichzeitig seine Exporte von raffinierten Produkten eingeschränkt. Da­durch blieb der Anstieg der Inflation in den letzten Monaten verhaltener als in anderen Regionen.

China kann sich ohnehin einen stärkeren Anstieg der Inflation erlauben, nachdem diese in den vergangenen Jah­ren sehr niedrig ausfiel. Die negativen Aus­wirkungen auf den inländischen Konsum werden dadurch abgefedert, wobei das Wirtschaftswachstum ohnehin durch den Export getragen wird. Dieser könnte durch den Irankrieg sogar einen positiven Impuls erhalten, wenn dadurch weltweit die Nach­frage nach erneuerbaren Energien wächst – ein Markt, auf dem China als Exporteur gefragt ist. Aufgrund der abgemilderten Auswirkungen des Irankriegs und der weiterhin boomenden Exportwirtschaft erhöhen wir unsere Wachstumsprognose für China leicht von 4,4 auf 4,5 Prozent.

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