
Aktien
Marktausblick für das zweite Halbjahr 2026
In unserem Jahresausblick zeichneten wir ein insgesamt positives Bild für den Aktienmarkt und empfahlen ein leichtes Übergewicht von Aktien in der taktischen Asset Allokation. Die Gründe dafür waren die anhaltend positiven Impulse durch Künstliche Intelligenz (KI), die robusten Unternehmensgewinne sowie die Disinflation, die Leitzinssenkungen ermöglichen sollte.
Durch den Irankrieg sind die Inflationsgefahren gestiegen, was eine restriktivere Geldpolitik zur Folge hat. KI wird zunehmend als Gefährdung der Geschäftsmodelle von Software-Unternehmen gesehen, was sich negativ auf deren Aktienkurse auswirkt. In der Breite sind die Unternehmensgewinne jedoch weiterhin robust und unterstützen den Aktienmarkt.
Insgesamt haben sich die Aussichten für den Aktienmarkt seit Jahresbeginn also etwas verschlechtert, sodass wir nun eine neutrale Allokation empfehlen.
US-Aktienmarkt
Die US-Aktienmärkte preisen ein optimistisches Makro- Bild ein. Die Rezessions- oder Stagflationsrisiken werden als nur sehr gering eingeschätzt. Diese positive Stimmung spricht für Momentum-, Wachstums- und Technologiewerte. Als Absicherung gegen eine Verschlechterung des Makro-Umfelds empfiehlt sich der Energiesektor. Die Gewinnrevisionen im Energiesektor haben eine deutliche Trendwende vollzogen und liegen nun auf Drei-Monats- Basis bei über 40 Prozent, während sich die Bewertungen seit Jahresbeginn auf etwa das 14,5-fache verringert haben.
Die Kurs-Gewinn-Verhältnisse des S&P 500 haben sich erholt, angeführt vom Tech-Sektor, liegen aber immer noch unter den früheren Höchstständen, die von größerem Wachstumsoptimismus geprägt waren. Die Korrektur, die im September 2025 begann, drückte die Bewertungen von Tech- gegenüber Nicht-Tech-Werten auf Neun-Jahres- Tiefs. Selbst nach der Erholung liegen die relativen Bewertungen weiterhin deutlich unter dem Durchschnitt für den Zeitraum 2020 bis 2025. Da sich das Exposure zum Tech-Sektor praktisch nur über US-Aktien aufbauen lässt, empfehlen wir weiterhin ein Übergewicht des US-Markts.

Der Anstieg der Energiepreise belastet den Euroraum
Der Irankrieg dämpft die konjunkturellen Aussichten für Europa. Die Erwartungen für die Gewinne europäischer Unternehmen werden im Durchschnitt dennoch nicht nach unten, sondern sogar nach oben revidiert.
Ähnlich wie im Jahr nach dem Energiepreisschock im Jahr 2022 steigen die Gewinn-Schätzungen insgesamt, angetrieben von den Rohstoffsektoren, die einen großen Anteil am Gesamtgewinnen haben. Im Gegensatz dazu sind die Sektoren zyklische Konsumgüter und Basiskonsumgüter kleiner und die Gewinnkorrekturen nach unten fallen geringer aus. Darüber hinaus entwickeln sich die Gewinne in Sektoren wie Banken, Telekommunikation, Versorger oder
Die makroökonomischen Daten haben sich in Europa merklich verschlechtert und liegen deutlich unter den Erwartungen. Das Gespenst der Stagflation bleibt bestehen und verschärft sich, je länger die Straße von Hormus blockiert bleibt. Stagflation übt einen doppelten Druck auf Aktien aus, indem sie zum einen die Fundamentaldaten durch Margendruck belastet und zum anderen die Bewertungen durch höhere Zinsen und unsicherere Gewinnaussichten drückt.
Dennoch notieren die Aktienkurse in der Nähe ihrer Allzeithochs. Im Vergleich zu früheren Konjunkturabschwüngen scheint der Markt negative wirtschaftliche Entwicklungen nur in relativ geringem Maße einzupreisen. Die starke Performance der zyklischen Werte ist teilweise darauf zurückzuführen, dass diese Krise zwar alle Sektoren betrifft, aber Konsumgüterunternehmen wahrscheinlich dem größten Abwärtsrisiko ausgesetzt sind angesichts der Störungen in der Lieferkette und des Rückgangs im Reiseverkehr.
Der Bewertungsabschlag kapitalintensiver Aktien ist weitgehend verschwunden, da Investoren die Knappheit und den strategischen Wert von physischem Kapital wieder zu schätzen wissen. Aus diesem Grund funktioniert auch die Aktienselektion nach Qualitätskriterien nicht mehr so wie früher. Viele Unternehmen, die als Quality-Titel eingestuft werden, haben eine geringe Kapitalintensität und – bis vor kurzem – eine geringe Volatilität bei Margen, Umsätzen und Gewinnerwartungen. Dies führte lange Zeit zu einem Bewertungsaufschlag. Da die Wettbewerbsvorteile vieler dieser Unternehmen nun in Frage gestellt werden, verhalten sie sich nicht mehr wie typische Wachstumswerte oder defensive Aktien. Vor diesem Hintergrund bleiben wir bei europäischen Aktien neutral gewichtet, während wir für deutsche Aktien ein leichtes Untergewicht empfehlen.
Japan
Der japanische Aktienmarkt hat, gemessen am Nikkei 225, in diesem Jahr eine sehr erfreuliche Wertentwicklung. Ein Teil der positiven Performance ist jedoch der besonderen Indexkonstruktion geschuldet. Betrachtet man hingegen den TOPIX, fällt die Performance des japanischen Aktienmarkts deutlich verhaltener aus. Die Diskrepanz zwischen beiden Indizes ist vor allem auf die höhere Gewichtung des IT-Sektors im Nikkei 225 zurückzuführen.
Die Sektor- Gewichtung ist jedoch nicht der einzige Grund für die Outperformance des Nikkei. Es sind vor allem einige wenige Einzeltitel, die den Index tragen. Ähnlich wie in den USA sind dies Unternehmen, die eine große Rolle in den KI-Lieferketten spielen. Um sich für eine Korrektur bei den heißgelaufenen KI-Werten zu wappnen, empfiehlt sich daher ein breiteres Investment in den japanischen Aktienmarkt.

Schwellenländer
Der MSCI Emerging Markets Index hat seine Verluste vom März mehr als wettgemacht, was fast ausschließlich auf die Stärke in Korea und Taiwan zurückzuführen ist. TSMC, SK Hynix und Samsung haben seit Jahresbeginn eine (gewichtete) Rendite von rund 55 Prozent erzielt, gegenüber fünf Prozent für die übrigen 1.200 Aktien im Index. Alle zwölf Unternehmen, die seit Jahresbeginn am stärksten zur Rendite des MSCI EM beigetragen haben, stammen aus Korea und Taiwan.
Die Konzentration im Index ist also enorm hoch. Die Kluft zwischen den wenigen Gewinnern und dem Rest des Markts ist in den Schwellenländern noch deutlich ausgeprägter als in den USA. Der MSCI Emerging Markets wird von den vier asiatischen Märkten Taiwan, China, Südkorea und Indien dominiert, die zusammen fast 80 Prozent des gesamten Index ausmachen und alle Nettoölimporteure sind. Innerhalb der Schwellenländer gibt es jedoch mit Ländern wie Brasilien und Mexiko aber auch Staaten, die als Nettoölexporteuer vom Anstieg der Öl- und Gaspreise profitieren.
Da die Wertentwicklung von Aktien aus den Schwellenländern nicht nur vom fundamentalen Umfeld getrieben wird, sondern vor allem auch durch die Zu- und Abflüsse ausländischer Investorengelder, dürften die Kurse volatil bleiben. Wir empfehlen für Aktien aus den Schwellenländern eine neutrale Gewichtung.
Revision der Jahresprognosen
Wir senken unsere Prognose für den DAX zum Jahresende 2026 von 25.550 auf 25.250. Für den S&P 500 erhöhen wir die Prognose von 7.600 auf 7.700.
Maßnahmen
Aufgrund der gestiegenen Unsicherheiten empfehlen wir eine neutrale Gewichtung von Aktien. Für deutsche Aktien sind wir etwas skeptischer geworden und empfehlen ein leichtes Untergewicht. Der fiskalische Impuls zeigt bislang wenig Wirkung und wird durch den Ölpreisschock konterkariert. In den USA bleiben wir leicht übergewichtet. Für die Schwellenländer sehen wir seit langem wieder Chancen und empfehlen eine neutrale Gewichtung.