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Renten

Marktausblick für das zweite Halbjahr 2026

Der Irankrieg zwingt die Zentralbanken zur Kurskorrektur 

Zum Jahreswechsel 2025/2026 befand sich die EZB in einer komfortablen Lage. Die Inflation im Euroraum lag nah an ihrem Inflationsziel von zwei Prozent und fiel kurz darauf knapp unter diese Zielmarke. Doch die Auswirkungen des Irankriegs haben diese komfortable Lage zunichte gemacht, da der Inflationsdruck gestiegen ist. Inzwischen wird erwar­tet, dass die EZB ihre Geldpolitik leicht straffen wird, um ein Ausufern der Inflation zu begrenzen. Der Markt geht derzeit von zwei bis drei Zinserhöhungen bis zum Jahres­ende aus.

Auch die Anleiherenditen haben auf das neue Umfeld reagiert. Bei zehnjährigen Bundesanleihen haben sie sich seit Jahresanfang um rund 15 Basispunkte erhöht, was die kurzfristigen Zinserhöhungserwartungen widerspie­gelt. Mitte Mai, als die Unsicherheit im Irankrieg besonders hoch war, fiel der Anstieg der Renditen noch deutlich höher aus, da ein Umfeld mit noch größerem Inflationsdruck er­wartet wurde. Wir erwarten, dass sich die Rendite zehnjäh­riger Bundesanleihen in einem Szenario mit kurzfristigem Inflationsschub und einer entsprechenden Reaktion der EZB leicht erhöht. Entsprechend passen wir unsere Erwar­tungen zum Jahresende von drei Prozent auf 3,1 Prozent an.

Zum Jahresanfang wurden von der Fed noch zwei bis drei Zinssenkungen bis Ende 2026 erwartet. Doch auch hier sorgte der Irankrieg dafür, dass sich die Erwartungen deut­lich geändert haben. Mittlerweile geht der Markt eher von einer Zinserhöhung bis zum Jahresende aus. Und das, ob­wohl es US-Präsident Donald Trump inzwischen gelungen ist, seinen Wunschnachfolger für Jerome Powell als Leiter der Fed durchzusetzen.

Vom neuen Fed-Chef Kevin Warsh wurde erwartet, dass er die Leitzinsen senken wird, was wohl auch der Grund für seine Nominierung gewesen sein dürfte. Vor seiner Wahl hatte Warsh angekündigt, dass Ef­fizienzgewinne durch Künstliche Intelligenz Leitzinssen­kungen ermöglichen würden. Doch im Augenblick dürfte es für ihn schwieriger sein, mit dieser Argumentation eine Mehrheit im Offenmarktausschuss der Fed zu finden, da der Arbeitsmarkt deutlich robuster wirkt und die Inflationsraten weit über dem Ziel liegen.

Für dieses Jahr liegt der Span­nungsbogen für die Rendite von US-Staatsanleihen somit zwischen einem inflationären Schock durch den Irankrieg und einer zukünftig vergleichsweise lockereren Geldpoli­tik unter der Führung von Warsh.

Vor diesem Hintergrund erwarten wir, dass sich die Rendite zum Jahresende bei 4,5 Prozent befinden wird. Damit halten wir an unserer Prog­nose aus dem Jahresausblick fest.

Spreads von Unernehmensanleihen

Unternehmensanleihen mit Investment-Grade-Rating bleiben attraktiv

Obwohl der Irankrieg für Unsicherheit hinsichtlich der zu­künftigen wirtschaftlichen Entwicklung gesorgt hat, kam es weder bei Investment-Grade-Unternehmensanleihen noch bei High-Yield-Papieren in Euro oder US-Dollar zu einer dramatischen Ausweitung der Spreads.

Es gab eine leichte Outperformance von Investment-Grade-Titeln, was vor allem daran lag, dass die Spreads im unteren Bereich des High-Yi­eld-Segments unter Druck gerieten. Als der Markt allerdings weniger optimistisch in die Zukunft blickte, kam es auch zu größeren Ausweitungen der Spreads.

Sollten die Aus­wirkungen des Kriegs länger anhalten und die Wirtschaft zusätzlich belasten, ist mit solchen Szenarien erneut zu rechnen. Aus diesem Grund sind Investment-Grade-Anlei­hen denen aus dem High-Yield-Segment vorzuziehen, was wir bereits in unserem Jahresausblick empfohlen haben. Auch im Vergleich zu nach wie vor volatilen Staatsanleihen sind Investment-Grade-Unternehmensanleihen attraktiv.

Revision der Jahresprognosen

  • Zehnjährige Bundesanleihen: 3,1 Prozent statt drei Prozent.
  • Zehnjährige US-Staatsanleihen: Unverändert bei 4,5 Prozent.

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