
Devisen
Marktausblick für das zweite Halbjahr 2026
Temporäre Dollarstärke und erneute Yen-Enttäuschung
Die ersten Monate des Jahres 2026 boten an den Devisenmärkten einige Überraschungen. Während der US-Dollar wider Erwarten zu alter Stärke zurückfand, setzte sich die Talfahrt des Japanischen Yen weiter fort.
Die Stärke des Dollar ist vor allem auf die Eskalation im Nahen Osten zurückzuführen. In Phasen hoher Unsicherheit gilt der Dollar nach wie vor als sicherer Hafen, sodass Anleger über strukturelle Probleme hinwegsehen. Auch in Japan sind die Auswirkungen des Nahost-Konflikts zu spüren. Die stark gestiegenen Energiepreise belasten die Leistungsbilanz Japans als Energieimporteur und setzen den Yen unter Druck. Zudem agiert die Bank of Japan (BoJ) weiterhin sehr zögerlich, was Zinserhöhungen angeht.
Die Möglichkeit einer temporären Dollarstärke hatten wir bereits in unserem Jahresausblick erwähnt, sie beeinflusst unsere Dollar-Prognose jedoch nur marginal. Die Wahrscheinlichkeit einer baldigen Yen-Erholung schwindet hingegen zunehmend, weshalb wir unsere Yen-Prognose deutlich revidieren müssen.
Die Argumente für einen schwächeren US-Dollar gelten weiterhin
Die aktuelle Stärke des Dollar hängt eng mit der Unsicherheit im Nahen Osten zusammen. Sobald sich die Lage stabilisiert oder ein dauerhafter Waffenstillstand wahrscheinlicher wird, neigen die Märkte dazu, ihre Safe-Haven-Positionen aufzulösen. Dieses Muster hat sich bereits in früheren De-Eskalationsphasen gezeigt.
Fundamental bleibt der Dollar hoch bewertet. Die Überbewertung hat sich seit Jahresbeginn sogar noch ausgeweitet: einerseits durch die jüngste Dollarstärke, andererseits durch einen Anstieg des fairen Werts nach Kaufkraftparität, der bei etwa 1,40 liegt.

Auch die Zinsentwicklung spricht weiterhin für einen schwächeren Dollar, wenngleich sich die Voraussetzungen seit Jahresbeginn geändert haben. Während zu Jahresbeginn noch mit Zinssenkungen in den USA und stabilen Zinsen in Europa gerechnet wurde, werden nun bis zu drei Zinserhöhungen in Europa und eine in den USA erwartet. Der Effekt bleibt derselbe: Die Zinsdifferenz sollte sich zugunsten des Euro verschieben.
Schließlich sind auch die politischen und fiskalischen Risiken in den USA nach wie vor vorhanden. Das hohe Haushaltsdefizit, die politische Volatilität unter der Trump- Regierung sowie eine mögliche Erosion des Vertrauens in die Unabhängigkeit der Fed sollten den Dollar schwächen. Ein anhaltender Nahost-Konflikt könnte den US-Dollar zwar weiter stützen, das weitere Aufwertungspotenzial ist aufgrund der genannten Argumente jedoch begrenzt. Gemäß unserem Basisszenario einer mittelfristigen Entspannung im Nahen Osten sollten diese Argumente wieder in den Vordergrund rücken und der Dollar schwächer werden.
Signifikante Yen-Erholung unwahrscheinlich
Während der Druck auf den Yen im Zuge teurerer Energieimporte zeitlich begrenzt sein dürfte, wirkt sich der Vertrauensverlust in die Geldpolitik der japanischen Notenbank, der durch ihr zögerliches Handeln und das Fehlen klarer Signale verursacht wurde, nachhaltiger aus.
Dies ist auch dem politischen Druck geschuldet, die Konjunktur nicht zu gefährden und das Tempo sowie den Umfang von Zinserhöhungen zu begrenzen. Zwar hat die BoJ die heimische Währung zuletzt mit Interventionen am Devisenmarkt gestützt, doch solche Maßnahmen wirken erfahrungsgemäß nur kurzfristig und ersetzen keine dauerhafte geldpolitische Straffung. Ein Abbau der fundamentalen Unterbewertung des Yen ist daher erst in Sicht, wenn die BoJ bereit ist, ihr Zögern abzulegen und einen glaubwürdigen Zinserhöhungspfad zu formulieren.
Revision der Jahresprognosen
- EUR/USD: 1,20 (vorher 1,22)
- EUR/JPY: 186,00 (vorher 167,00)