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Rohstoffe

Marktausblick für das zweite Halbjahr 2026 

Weiterhin positive Rahmenbedingungen für Gold 

In diesem Jahr wurde der Status von Gold als Krisenwäh­rung infrage gestellt. So verlor der Goldpreis von seinem Allzeithoch Ende Januar 2026 bis Ende Mai 2026 rund 13 Prozent in US-Dollar. Vor allem im März, nach dem Ausbruch des Irankriegs, gab der Goldpreis deutlich nach. Ausschlag­gebend hierfür waren einerseits die Erwartung möglicher Zinssenkungen der Fed und andererseits die Normalisie­rung der offensiven Positionierung der Spekulanten an den Optionsmärkten, gemessen an den Netto-Call-Kontrakten (Call- minus Put-Kontrakte). Hinzu kam die wieder erstarkte negative Korrelation zu US-Dollar und Realverzinsung.

Trotz des veränderten Zinsumfelds gehen wir bis zum Jah­resende von weiterhin positiven Rahmenbedingungen für den Goldpreis aus. Gründe hierfür finden sich nach wie vor in den anhaltenden Zentralbankkäufen, der robusten Investitionsnachfrage und einem schwächeren US-Dol­lar. Laut dem World Gold Council kauften Zentralbanken im ersten Quartal 2026 insgesamt 244 Tonnen Gold. Dies entspricht einer Steigerung von drei Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal.

Eine anhaltende Nachfrage sig­nalisiert auch eine Umfrage der Analysten von Goldman Sachs auf der „Goldman Sachs Central Bank Conference”, nach der 70 Prozent der Befragten von einer steigenden Goldreserve der Notenbanken ausgehen. Zudem ist die Nachfrage nach physischem Gold zu Investitionszwecken weiterhin hoch und wird vor allem von chinesischen In­vestoren getrieben. Laut Daten des World Gold Council stieg die Nachfrage chinesischer Investoren im Vergleich zum Vorjahresquartal um etwa 66 Prozent auf 211 Tonnen. Auch die ETF-Bestände konnten sich seit dem massiven Verkauf amerikanischer ETFs zuletzt stabilisieren und ver­zeichnen seit Jahresbeginn wieder Zuflüsse.

Gold : Offene Netto-Call-Kontrakte

 

Auch der US-Dollar dürfte dem Goldpreis bis Ende des Jahres weiterhin Rückenwind verleihen. Mit einem Ende des Konflikts im Nahen Osten dürften die geopolitischen Spannungen nachlassen und die Nachfrage nach dem US-Dollar als Krisenwährung abnehmen. Ebenso dürften die US-Staatsverschuldung wie auch die Unabhängigkeit der Fe­deral Reserve wieder in den Fokus der Investoren rücken. Die begonnenen Rückzahlungen der Zolleinnahmen, aber auch die anhaltenden Haushaltsdefizite dürften die US-Staatsver­schuldung und in der Folge den US-Dollar weiter belasten.

Erhöhte Ölpreise bis zum Jahresende

Bis Ende Mai 2026 stieg der Preis für ein Barrel WTI um etwa 59 Prozent (in US-Dollar). Bereits seit Jahresbeginn sorgten geopolitische Spannungen zwischen dem Iran und den USA für einen Anstieg des Ölpreises. Zusätzlich trugen Produktionsausfälle in Kasachstan zur erhöhten Nachfrage nach dem schwarzen Gold bei. Mit dem Aus­bruch des Irankriegs Ende Februar und der Schließung der Straße von Hormus stieg der Preis der Sorte WTI An­fang April auf über 114 US-Dollar je Barrel. Mit Beginn der Waffenruhe und den Verhandlungen über die Öffnung der Straße von Hormus sank der Preis wieder auf unter 100 US-Dollar je Barrel und lag Ende Mai bei rund 91 US-Dollar.

Ausgehend von den aktuellen Niveaus erwarten wir bis zum Jahresende einen weiter sinkenden Ölpreis. Durch die Öffnung der Straße von Hormus dürfte sich die Angebots­situation auf den globalen Ölmärkten schrittweise norma­lisieren. Die Internationale Energieagentur (IEA) rechnet bereits im zweiten Halbjahr mit einem Überangebot auf dem Ölmarkt, was den Ölpreis belasten dürfte. Ein über­versorgter Markt entspricht der im Jahresausblick getrof­fenen Annahme. Dennoch dürfte der Ölpreis nur langsam fallen. Ein temporär erhöhter Bedarf zum Wiederauffüllen der Lagerbestände sowie die nur schrittweise verlaufende Normalisierung werden den Ölpreis im Vergleich zum Jah­resbeginn auf einem erhöhten Niveau halten.

Revision der Jahresprognosen

  • Goldpreis: 5.000 US-Dollar je Feinunze (vorher 4.500)
  • Ölpreis (WTI): 82 US-Dollar je Barrel (vorher 54)

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